September 17, 2020

Sogenannte Sentinel-Tests werden für Stichproben-Untersuchungen genutzt. Die Testungen erfolgen auf freiwilliger Basis bei der gesundheitlichen Vorsorge oder Behandlung. Sentinel-Erhebungen haben das Ziel, „epidemische Entwicklungen spezifischer Krankheitsfelder in einer Teil-Bevölkerung bzw. der Bevölkerung insgesamt zu ermitteln“, schreibt das Robert Koch-Institut (RKI). Aus den gesammelten Daten der Patienten lässt sich demnach die Krankheitslast in der Bevölkerung hochrechnen.

Bei der Influenza etwa erhebt das RKI routinemäßig seit Jahren Daten. So spiegelt das Sentinel die epidemiologische Situation der akuten Atemwegserkrankungen in Deutschland wider.

Arbeit der Sentinelpraxen während der Corona-Pandemie

Seit der Wintersaison 2009/10 steht die Durchführung der Influenza Surveillance in der Arbeitsgemeinschaft Influenza in der alleinigen Verantwortung des Robert Koch-Institutes. Dem „Ärzteblatt“ zufolge werden auch für das Coronavirus SARS-CoV-2 Sentinel-Proben vom RKI ausgewertet. Seit dem 24. Februar senden ausgewählte Praxen ihre Proben von Patienten mit Atemwegsinfektionen an das RKI.

Dort werden die Proben nicht nur auf Influenza- und Erkältungsviren, sondern auch auf das neue Coronavirus untersucht. Das Sentinel umfasst mehr als 1% der primär versorgenden Ärzte und wird vom RKI als repräsentativ bezeichnet.

„Wir ziehen damit praktisch eine Stichprobe aus der Bevölkerung von Menschen mit Atemwegsinfektionen, um zu schauen, inwieweit sich das neue Virus in der Bevölkerung schon verbreitet hat“, sagte RKI-Vizepräsident Lars Schaade im März 2020.

Wie können Sentinel-Proben in der Corona-Krise helfen?

Sentinel-Testungen sind im Gegensatz zu Corona-Massentests an der gesamten Bevölkerung gut umzusetzen. Als repräsentative Stichprobe könnten sie Informationen zur Infektions-Dunkelziffer und zum Ausmaß der Verbreitung des Virus in der Gesamtbevölkerung liefern.

Bewertung und Anwendung auf die aktuelle Situation in der Corona-Krise Sentinel-Meldungen an RKI: Kein einziger SARS-CoV-2 Fall ab 13. April bis 04. September 2020. Die publizierten Daten der Arbeitsgemeinschaft Influenza bergen politischen Sprengstoff.

Im Abschlussbericht des zuständigen Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI) findet sich eine Passage, die Bundesgesundheitsminister Jens Spahn in Erklärungsnot bringen dürfte:

Seit der 16. KW kein Nachweis von SARS-CoV-2

«Seit der 8. KW 2020 sind insgesamt 13 (0,8 %) SARS-CoV-2-positive Proben in 1’570 untersuchten Proben im Sentinel der AGI detektiert worden. Seit der 16. KW 2020 gab es keine Nachweise mehr von SARS-CoV-2 im Sentinel.»

Alle SARS-CoV-2-Nachweise wurden im Zeitraum zwischen der 10. bis 15. KW 2020 detektiert. Auch die Analyse der sogenannten SARI-Fälle, also Spitaleinweisungen mit Atemwegserkrankungen, bringt Pikantes zum Vorschein: «In 70 Sentinel-Krankenhäusern waren im Zeitraum von der 20. KW bis zur 23. KW 2020 zwischen 4 % und 7 % der SARI-Fälle (Hauptdiagnose Influenza, Pneumonie oder sonstige akute Infektionen der unteren Atemwege) mit COVID-19 hospitalisiert».

Vereinfacht ausgedrückt: Selbst zu Hochzeiten der Coronakrise machte der Anteil von COVID-19 an den gesamten SARI-Fallzahlen lediglich 7 Prozent aus. Quelle: Arbeitsgemeinschaft Influenza – 5. Juli 2020

„epidemische Lage von nationaler Tragweite“ welchen Konsequenzen ergeben sich für uns daraus?

Das Robert Koch-Institut schätzt die Gefährdung für die Gesundheit der Bevölkerung in Deutschland derzeit weiterhin insgesamt als hoch ein, für Risikogruppen sogar als sehr hoch. Somit befinden wir uns nach Einschätzung der Regierung immer noch in einer „epidemischen Lage von nationaler Tragweite“ Ähnlich wird das von fast allen Nachbarstaaten Deutschlands beurteilt.

Kann und darf diese Datenbasis relevant sein, um eine Epidemische Lage nationaler Tragweite auszurufen und bis auf Weiteres aufrecht zu erhalten?

Man bedenke: Nur solange diese epidemische Lage von nationaler Tragweite ausgerufen ist, kann das Grundgesetz weitgehend außer Kraft gesetzt werden, und das Infektionsschutzgesetz hat Vorrang. Löse das Quiz und entscheide selbst, ob das so noch zutreffend ist.

Aus dem letzten Influenza-Monatsbericht Nr. 36 der den Zeitraum bis zum 04. September erfasst.

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